Der Europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS)
Im Rahmen unserer Projektarbeit im Health-X Ökosystem haben wir uns mit dem Europäischen Gesundheitsdatenraum auseinandergesetzt und möchten einige der wichtigsten Punkte hier mit euch teilen. Health-X kann als technologische Grundlage oder Enabler für den Europäischen Gesundheitsdatenraum betrachtet werden, während der Europäische Gesundheitsdatenraum (European Health Data Space, kurz EHDS) den regulatorischen und konzeptionellen Rahmen für den Austausch von Gesundheitsdaten in der EU bietet.
Am 14. März 2024 einigten sich die EU-Mitgliedstaaten, das EU-Parlament und die Europäische Kommission auf die Verordnung zur Schaffung des Europäischen Raums für Gesundheitsdaten (EHDS). Diese Entscheidung ist ein großer Schritt, der vieles weiter formalisiert, was Deutschland 2023 bereits mit dem Digital-Gesetz (DigiG) und dem Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) in Angriff genommen hat.
Das DigiG, verabschiedet im Dezember 2023, legte den Grundstein für die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Es führte unter anderem die elektronische Patientenakte (ePA) als Opt-out-Modell ein, was bedeutet, dass ab 2025 jede:r gesetzlich Versicherte automatisch eine ePA erhält, sofern sie/er nicht widerspricht. Zudem wird das E-Rezept als verbindlicher Standard eingerichtet.
Das GDNG, ebenfalls Ende 2023 beschlossen, regelt die Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschungszwecke. Es schafft einen rechtlichen Rahmen für den Zugang zu und die Analyse von Gesundheitsdaten, unter strenger Beachtung des Datenschutzes.
Was genau ist der EHDS und welche Vorteile bringt er für Bürger:innen und Gesundheitsfachkräfte?
Der EHDS zielt darauf ab, klare Regeln, gemeinsame Standards und Praktiken für die Nutzung von Gesundheitsdaten zu etablieren. In der EU werden jede Sekunde enorme Mengen an wertvollen Gesundheitsdaten generiert. Ärzt:innen, Krankenpfleger:innen, Apotheker:innen, Forscher:innen und Gesundheitsbehörden sind auf diese Daten für ihre lebensrettende Arbeit angewiesen.
Zugang zu Investitions- und Fördermitteln
Investoren und der Staat sind auch in Krisenzeiten auf der Suche nach vielversprechenden Unternehmen und Ideen. Firmen, die eine klare Vision und ein solides Geschäftsmodell vorweisen können, finden oft leichter Zugang zu Kapital, das ihnen hilft, durch die Rezession zu navigieren und gestärkt hervorzugehen.
Die COVID-19-Pandemie hat erst deutlich gezeigt, wie wichtig aktuelle Gesundheitsdaten für effektive Maßnahmen im öffentlichen Gesundheitswesen und Krisenreaktionen sind. Sie hat auch zu einer raschen Einführung digitaler Tools geführt. Dennoch gibt es nach wie vor viele Hindernisse, die das volle Potenzial der digitalen Gesundheit und Datennutzung einschränken. Der EHDS soll nun diese Hindernisse überwinden. Er bietet einen robusten Governance-Rahmen für die Nutzung elektronischer Gesundheitsdaten, um den Binnenmarkt für digitale Gesundheitsdienste und -produkte zu fördern.
Kernelemente des EHDS
- Interoperabilität: Standardisierung von Datenformaten und Austauschprotokollen.
- Datensouveränität: Stärkung der Patientenrechte in Bezug auf den Zugang und die Kontrolle ihrer Gesundheitsdaten.
- Grenzüberschreitender Datenaustausch: Ermöglichung der sicheren Übermittlung von Gesundheitsdaten zwischen EU-Mitgliedstaaten.
- Sekundäre Datennutzung: Schaffung eines Rahmens für die Verwendung von Gesundheitsdaten in der Forschung und Politikgestaltung.
Vorteile für EU-Bürger:innen
Der EHDS bringt zahlreiche Vorteile für die Bürger:innen der EU:
- Volle Kontrolle über persönliche Gesundheitsdaten
- Kostenfreier und sofortiger Zugriff auf die eigenen Gesundheitsdaten in elektronischer Form
- Einfaches Teilen von Daten mit Gesundheitsfachkräften, auch über Landesgrenzen hinweg
- Möglichkeit, Informationen hinzuzufügen, Fehler zu korrigieren und den Zugriff zu beschränken
- Nachverfolgung der Datennutzung
- Einheitliches europäisches Format für Gesundheitsdaten
- Robuster Schutz der Privatsphäre und Datensicherheit
Ein Beispiel verdeutlicht die Vorteile: Eine Deutsche, die im Sommerurlaub in Spanien erkrankt, kann dank EHDS sofort von einem lokalen Arzt behandelt werden, der Zugriff auf ihre vollständige Krankenakte hat - sogar mit Übersetzungshilfe. Ihre Verschreibungsinformationen können nahtlos in Spanien oder anderen EU-Ländern genutzt werden.
Transformation des Gesundheitswesens für Fachkräfte
Für Gesundheitsfachkräfte bedeutet der EHDS eine enorme Erleichterung in ihrer täglichen Arbeit:
- Verbesserte Interoperabilität und nahtloser Zugriff auf vollständige Patientenakten
- Fundierte Entscheidungen bei Behandlung und Diagnose durch umfassende Datenverfügbarkeit
- Verbesserte Kontinuität der Patientenversorgung
- Reduzierter Verwaltungsaufwand und gesteigerte Effizienz
Ein beispielhaftes Zukunftsszenario wäre hier: Eine Patientin erhält nach einem Notfall eine Röntgenaufnahme in einem öffentlichen Krankenhaus. Bei einem späteren Besuch bei ihrem Hausarzt in einer anderen Klinik kann dieser dank EHDS sofort auf die Röntgenaufnahme zugreifen - ohne redundante Tests durchführen zu müssen
Fazit: Ein smarteres und effizienteres Gesundheitswesen
Der Europäische Gesundheitsdatenraum steht für die Zukunft des Gesundheitswesens, das patientenzentriert, intelligent und effizient sein muss. Er ermöglicht eine bessere Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschung und Innovation unter strikten Sicherheits- und Datenschutzstandards. Dadurch ebnet er den Weg für eine hohe Behandlungsqualität, personalisierte Medizin und eine verbesserte Krisenvorsorge in ganz Europa.
Für Softwareagenturen und IT-Dienstleister im Gesundheitsbereich eröffnen sich hier viele Chancen, an der Gestaltung dieser digitalen Zukunft mitzuwirken und Lösungen zu entwickeln, die das volle Potenzial der sicheren Datennutzung ausschöpfen.